{"id":8586,"date":"2019-03-10T12:00:53","date_gmt":"2019-03-10T11:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/marcwallert.com\/?p=8586"},"modified":"2026-01-22T11:24:06","modified_gmt":"2026-01-22T10:24:06","slug":"kidnapping-wallert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/marcwallert.com\/en\/entfuehrung-wallert\/","title":{"rendered":"Background to the Wallert kidnapping"},"content":{"rendered":"<h3>Der Entf\u00fchrungsfall Wallert<\/h3>\n<p>Marc Wallert wurde im Jahr 2000 auf die Philippinen entf\u00fchrt, gemeinsam mit seinen Eltern Renate Wallert und Werner Wallert. Familie Wallert und 18 weitere Menschen wurden w\u00e4hrend eines Tauchurlaubs auf der malaysischen Insel Sipadan von der Terrorgruppe Abu Sayyaf \u00fcberfallen und auf die philippinische Insel Jolo verschleppt. In Deutschland verfolgten Millionen Menschen die \u201eEntf\u00fchrung der Familie Wallert\u201c in den Medien. Besonders im Fokus stand hierbei der Gesundheitszustand von Renate Wallert. In seinem <a href=\"https:\/\/marcwallert.com\/buch-paket\/\"><strong>SPIEGEL Bestseller \u201eStark durch Krisen\u201c<\/strong><\/a> beschreibt Marc Wallert, wie es ihm und den anderen Geiseln gelang, die Entf\u00fchrung in den philippinischen Dschungel zu \u00fcberstehen. Seine \u201eDschungelstrategien\u201c entsprechen weitgehend den Schutzfaktoren f\u00fcr Resilienz, die heute wissenschaftlich gut belegt sind. Dazu geh\u00f6ren Akzeptanz, Optimismus, Selbstwirksamkeit und weitere Strategien zur St\u00e4rkung der inneren Widerstandskraft namens <strong><a href=\"https:\/\/marcwallert.com\/was-ist-resilienz\/\">Resilienz<\/a><\/strong>.<\/p>\n<p>Heute betrachtet sich Marc Wallert nicht als \u201eEntf\u00fchrungsopfer\u201c, sondern bezeichnet sich als \u201eEntf\u00fchrungs\u00fcberlebender\u201c. Denn er hat seine Entf\u00fchrung gut \u00fcberstanden und viel aus seiner Zeit als Geisel gelernt. Seine Erkenntnisse aus dem Dschungel \u00fcbertr\u00e4gt der <strong><a href=\"https:\/\/marcwallert.com\/buch-paket\/\">Autor<\/a><\/strong> und <strong><a href=\"https:\/\/marcwallert.com\/keynote-speaker\/\">Redner<\/a><\/strong> in die Welt seiner Leserschaft und Vortragsg\u00e4ste.<\/p>\n<p><strong>In Erg\u00e4nzung zu seinem Buch finden Sie in diesem Artikel spannende Hintergr\u00fcnde zur Entf\u00fchrung von Marc Wallert und seinem Leben nach der Geiselhaft.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Entf\u00fchrung der Familie Wallert &#8211; verschleppt auf die Philippinen<\/h3>\n<p>Am Ostersonntag 2000, am 23. April gegen 20 Uhr Ortszeit, begann auf der anderen Seite der Erde eine Entf\u00fchrungsgeschichte, die nach Auffassung deutscher Medienexperten unvergleichlich ist. Eine islamistische Terrorgruppe entf\u00fchrte 21 Menschen von der malaysischen Taucherinsel Sipadan vor der Ostk\u00fcste Borneos auf die philippinische Insel Jolo. Die Geiseln wurden aus einem Urlaubsparadies herausgerissen und in eine Dschungelh\u00f6lle verfrachtet.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_11970\" aria-describedby=\"caption-attachment-11970\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-691431.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11970\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Enfuehrung-comp.jpg\" alt=\"Tagesschau vom 24.04.2000\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Enfuehrung-comp.jpg 1920w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Enfuehrung-comp-768x512.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Enfuehrung-comp-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Enfuehrung-comp-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11970\" class=\"wp-caption-text\">Tagesschau vom 24.04.2000 [Link auf tagesschau.de]<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Zehn der Geiseln waren Tauchurlauber, die z.T. erst am Entf\u00fchrungstag auf der Insel eingetroffen waren. Die Anderen waren Angestellte des Tauchresorts und Mitarbeitende der Schildkr\u00f6tenstation gleich nebenan. Eine der Geiseln war der 26-j\u00e4hrige Marc Wallert. Da er als Unternehmensberater bei PricewaterhouseCoopers (PwC) in Luxemburg arbeitete, hatte er seine in G\u00f6ttingen lebenden Eltern Renate Wallert und Werner Wallert l\u00e4ngere Zeit nicht gesehen. So entstand der Plan eines gemeinsamen Tauchurlaubs. Zehn Tage lang verlief alles v\u00f6llig normal und sch\u00f6n. Man fuhr unterschiedliche Tauchpl\u00e4tze rund um die Insel an, erfreute sich an den vielen Schildkr\u00f6ten und riesigen Barrakudaschw\u00e4rmen. Und abends sa\u00df man entspannt auf dem Sonnendeck, genoss bei einem Drink den Sonnenuntergang und anschlie\u00dfend den atemberaubenden tropischen Sternenhimmel. So auch am Ostersonntag.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich ver\u00e4nderte sich das Leben der Urlaubenden binnen Sekunden dramatisch. 18 schwer bewaffnete Terroristen \u00fcberfielen das Tauchresort und zwangen die Opfer in zwei Boote, etwa zehn Meter lange, schmale &#8222;Longboats&#8220; mit einem Au\u00dfenbordmotor, wie sie von den Fischern der Region benutzt werden. Den Entf\u00fchrern entkamen ein amerikanisches Paar, das gerade einen Nachttauchgang absolvierte und ein weiteres Ehepaar, das sich standhaft weigerte in die Boote einzusteigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Entf\u00fchrung nimmt ihren Anfang<\/h3>\n<p>Beide Boote waren heillos \u00fcberf\u00fcllt mit 21 Geiseln, 18 Entf\u00fchrern und einer gro\u00dfen Zahl von Dieselkanistern. Marc und Renate Wallert waren zusammen auf einem Longboat, Werner Wallert auf einem zweiten. Die Boote lagen tief im Wasser, nur zehn Zentimeter fehlten bis zum Rand der Bordwand. W\u00e4re die See nicht v\u00f6llig glatt gewesen in jener Nacht, die Boote h\u00e4tten ihr Ziel nie erreicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_11963\" aria-describedby=\"caption-attachment-11963\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-11963\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Longboat-comp.jpg\" alt=\"Asiatisches Longboat, wie es auch die Entf\u00fchrer der Abu Sayyaf nutzten\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Longboat-comp.jpg 1920w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Longboat-comp-768x512.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Longboat-comp-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Longboat-comp-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11963\" class=\"wp-caption-text\">Asiatisches Longboat, wie es auch die Entf\u00fchrer der Abu Sayyaf nutzten<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Starr vor Schreck hockten die Geiseln auf den Booten, eng zusammengepfercht, stumm vor Entsetzen. Die Entf\u00fchrer waren anfangs erkennbar nerv\u00f6s. Sie f\u00fcrchteten, von Patrouillenbooten der malaysischen oder philippinischen Marine entdeckt zu werden. 20 lange Stunden dauerte die Fahrt vom malaysischen Sipadan bis zur philippinischen Insel Jolo. An Bord gab es kaum Essen oder Wasser. Als es Tag geworden war, brannte die tropische Sonne erbarmungslos vom Himmel. Im Gewirr der vielen kleinen Inseln verloren die Entf\u00fchrer schlie\u00dflich die Orientierung und mussten bei Fischern nachfragen, um Kurs auf die Insel Jolo nehmen zu k\u00f6nnen, die zum Sulu-Archipel im S\u00fcden der Philippinen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Von hier waren die Entf\u00fchrer Tage zuvor zu ihrem Kommandounternehmen aufgebrochen. Sie geh\u00f6rten zur muslimischen Terrorgruppe Abu Sayyaf bzw. Abu Sajaf, die schon zuvor wegen ihrer Terroranschl\u00e4ge und Entf\u00fchrungen gef\u00fcrchtet waren. Sie kidnappten wohlhabende philippinische Einheimische, um sich zu finanzieren und ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge auf christliche Kirchen und Schulen. Noch nie aber hatten sie das Staatsgebiet der Philippinen f\u00fcr eine Terroraktion verlassen. So gab es auch keine Reisewarnung f\u00fcr die malaysische Taucherinsel Sipadan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Entf\u00fchrer der Abu Sayyaf (Abu Sajaf)<\/h3>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr den immer wieder aufbrechenden Konflikt zwischen der katholisch gepr\u00e4gten Zentralregierung in Manila und den Muslimen im S\u00fcden des Landes &#8211; und letztendlich auch f\u00fcr diese Entf\u00fchrung &#8211; reichen weit in die Geschichte des Landes zur\u00fcck. Im 13. Jahrhundert kam der Islam mit arabischen H\u00e4ndlern in die Region. Im 16. Jahrhundert eroberte Spanien das Land. Die nach einem spanischen K\u00f6nig benannten Philippinen wurden zum einzigen katholischen Land Asiens &#8211; bis auf den S\u00fcden. Auch w\u00e4hrend der amerikanischen Herrschaft ab Beginn des 20. Jahrhunderts gelang keine v\u00f6llige Unterwerfung der rebellischen Muslime im S\u00fcden. In der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts tobte zwei Jahrzehnte lang ein B\u00fcrgerkrieg im Sulu-Archipel. 1996 kam es zu einem Abkommen mit der Regierung in Manila, das den Muslimen einen Autonomiestatus im philippinischen Staatsverband zugestand. Dies f\u00fchrte letztlich zur Gr\u00fcndung der Abu Sayyaf Group, deren politisches Ziel immer die vollst\u00e4ndige Unabh\u00e4ngigkeit und die Gr\u00fcndung eines islamischen Staates im Sulu-Archipel war. Das Autonomieabkommen sahen sie als Verrat an der muslimischen Sache. Die Abu Sayyaf Group ist aber keine politische Gruppierung, sie entwickelte sich zu einer radikalen und gewaltt\u00e4tigen islamistischen Terrorgruppe. Ihre Idole sind die Taliban in Afghanistan und der von den Amerikanern get\u00f6tete Osama Bin Laden.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_11972\" aria-describedby=\"caption-attachment-11972\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-11972\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_TerroristGroup-comp.jpg\" alt=\"Schwerbewaffnete Rebellen der Abu Sayyaf\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_TerroristGroup-comp.jpg 1920w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_TerroristGroup-comp-768x512.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_TerroristGroup-comp-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_TerroristGroup-comp-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11972\" class=\"wp-caption-text\">Schwerbewaffnete Rebellen der Abu Sayyaf<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Der Anf\u00fchrer des Entf\u00fchrungskommandos war Galib Andang, genannt &#8222;Commander Robot&#8220;. Er befragte schon w\u00e4hrend der \u00dcberfahrt zur Insel Jolo die Geiseln nach ihren Namen, Nationalit\u00e4t und Beruf. Urspr\u00fcnglich hatten sie gehofft, US-B\u00fcrger in ihre Gewalt zu bekommen, denn eines der Ziele der Entf\u00fchrung war, einen der Verantwortlichen f\u00fcr den Bombenanschlag auf das World Trade Center 1993, Ramzi Ahmed Yousef, aus amerikanischer Haft freizupressen. Dass es ausgerechnet vier US-B\u00fcrger waren, die auf Sipadan zur\u00fcckblieben, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.<\/p>\n<p>Galib Andang war es auch, der den Geiseln gegen\u00fcber deutlich machte, dass sie nur &#8222;Instrumente&#8220; in ihrem Kampf f\u00fcr die volle Unabh\u00e4ngigkeit waren. Und er wollte von vornherein viel Publizit\u00e4t f\u00fcr seine politischen Anliegen und auch f\u00fcr die erfolgreich abgeschlossene Kommandoaktion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Geiselhaft im philippinischen Dschungel von Jolo<\/h3>\n<p>Nachdem die beiden Boote die Insel Jolo erreicht hatten, wurden die Geiseln in einem n\u00e4chtlichen Marsch zu ihrem ersten Quartier gef\u00fchrt. Es war ein orts\u00fcbliches Bauernhaus, eine Bambush\u00fctte auf Stelzen mit einem Wellblechdach. &#8222;Crowne Plaza&#8220; nannten die Geiseln ironisch das erste von sechs Camps ganz unterschiedlicher Art, in denen sie untergebracht wurden. Anfangs versorgte die Eigent\u00fcmerfamilie die Geiseln mit ein wenig Essen, wenig sp\u00e4ter waren sie verschwunden.<\/p>\n<p>Nach acht Tagen erlebte die Geiselgruppe den ersten Angriff der philippinischen Armee, die das Camp umstellt hatte. Am Nachmittag des 2. Mai brach in unmittelbarer N\u00e4he der Unterkunft urpl\u00f6tzlich ein l\u00e4nger anhaltendes Gefecht zwischen Rebellen und Armee aus, das mit Sturmgewehren und automatischen Waffen ausgetragen wurde. Die Geiseln mussten mit ihren Entf\u00fchrern Hals \u00fcber Kopf auf eine kleine Lichtung in einigen Kilometern Entfernung fl\u00fcchten. Dort wurden Rebellen der Abu Sayyaf und Geiseln auch mit Artillerie beschossen. Gl\u00fccklicherweise forderte der Beschuss keine Opfer unter den Geiseln. Die Rebellen konnten mit ihren Geiseln den Belagerungsring der Armee durchbrechen und in einem n\u00e4chtlichen Marsch durch schweres Gel\u00e4nde das zweite Camp erreichen.<\/p>\n<p>Im zweiten Quartier, genannt &#8222;Open Air Camp&#8220;, mussten die Geiseln ihre biwak\u00e4hnlichen Schlafstellen aus Bambusst\u00fctzen, Bananenbl\u00e4ttern und einer Plastikplane als Regenschutz selbst bauen. Hierher kam ein philippinisches TV-Team, das die gesamte Geiselgruppe ablichtete. Die unkommentierten Aufnahmen wurden 2015 von der Nachrichtenagentur Associated Press bei Youtube ver\u00f6ffentlicht. Die Gruppe blieb nur f\u00fcnf Tage in diesem Quartier, da sie auch hier von der Armee aufgesp\u00fcrt und in Schusswechsel verwickelt wurde. Das wurde von einem Fernsehteam dokumentiert. Die Bilder der ver\u00e4ngstigten Geiseln mit dem Schusswechsel als &#8222;akustische Untermalung&#8220; gingen um die Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_11960\" aria-describedby=\"caption-attachment-11960\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11960\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_HostagesOnGround-comp.jpg\" alt=\"V\u00f6llig ersch\u00f6pfte Geiseln sitzen am Boden, w\u00e4hrend um sie herum gek\u00e4mpft wird. Renate Wallert am Ende ihrer Kr\u00e4fte.\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_HostagesOnGround-comp.jpg 1920w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_HostagesOnGround-comp-768x512.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_HostagesOnGround-comp-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_HostagesOnGround-comp-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11960\" class=\"wp-caption-text\">V\u00f6llig ersch\u00f6pfte Geiseln sitzen am Boden, w\u00e4hrend um sie herum gek\u00e4mpft wird. Renate Wallert am Ende ihrer Kr\u00e4fte.<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Als Konsequenz fl\u00fcchteten die Entf\u00fchrer mit ihren Geiseln in einem eint\u00e4gigen 30-km-Gewaltmarsch auf einen Berg. Dieser Marsch, gro\u00dfenteils in stockdunkler Nacht, brachte auch die J\u00fcngeren aus der Geiselgruppe an ihre Grenzen. Das Quartier &#8222;Mountain View Chalet&#8220; bestand aus einer verlassenen kleinen Bambush\u00fctte. Bedingt durch die H\u00f6henlage war die Versorgung mit Wasser ein riesiges Problem. Aus einem Felsspalt tropfte nur verseuchtes Wasser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Der harte Alltag w\u00e4hrend der Entf\u00fchrung<\/h3>\n<p>Die evidenten Versorgungsprobleme f\u00fchrten nach acht Tagen zu einer erneuten Verlegung in ein tiefergelegenes Quartier: &#8222;Sea View Lodge&#8220;. Hier lebten die Geiseln bei einer Bauernfamilie und okkupierten deren Wohn- und Schlafbereich. Es war f\u00fcr manche der Geiseln ein ungewohnter Luxus auf einer Art d\u00fcnner Matratze zu schlafen.<\/p>\n<p>Nach zehn Tagen ging es weiter in das &#8222;Two Rivers Camp&#8220;. Wie der Name schon sagt, waren hier zumindest die Wasserversorgung und die K\u00f6rperhygiene kein vorrangiges Problem mehr. Die Unterk\u00fcnfte f\u00fcr die westlichen Geiseln waren zwei offene Bambusplattformen mit Plastikplanen als Dach. Hierher kamen viele internationale Pressevertreter. Daher bef\u00fcrchteten die Geiselnehmer, dass dieser Standort bald ausspioniert sein w\u00fcrde. Sie verlegten daher nach zwei Wochen ihre westlichen Geiseln in ein getrenntes Quartier, das &#8222;Mid Jungle Camp&#8220;. Dort blieben sie bis zu ihrer Freilassung, f\u00fcr Marc Wallert etwa drei Monate lang.<\/p>\n<p>Die Lebensbedingungen in den sechs Camps waren extrem primitiv. Teilweise schliefen die Geiseln einfach auf dem Boden. Die Plastikplanen \u00fcber den Bambusplattformen hielten die tropischen Regenschauer nicht wirklich ab. Lediglich die Bauernh\u00e4user boten mit ihren Wellblechd\u00e4chern einen wirksamen Schutz vor N\u00e4sse. Nat\u00fcrlich gab es nirgends so etwas wie sanit\u00e4re Anlagen oder gar Strom. Die Geiseln lebten versteckt im Nirgendwo.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_11962\" aria-describedby=\"caption-attachment-11962\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11962\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_JungleCamp-comp.jpg\" alt=\"Geisellager im Dschungel von Jolo\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_JungleCamp-comp.jpg 1920w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_JungleCamp-comp-768x512.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_JungleCamp-comp-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_JungleCamp-comp-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11962\" class=\"wp-caption-text\">Geisellager im Dschungel von Jolo<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Der Zugang zu Wasser war von entscheidender Bedeutung f\u00fcr eine rudiment\u00e4re Hygiene, zum Trinken und zum Kochen. Die Verpflegung bestand in den ersten Wochen fast ausschlie\u00dflich aus Reis, der nur mit Wasser gegart werden konnte, mit etwas Sojaso\u00dfe. Die Lage verbesserte sich zunehmend durch Lieferungen \u00fcber den lokalen Gouverneur. Die deutsche Botschaft nutzte diese Kontakte, um die Geiselgruppe in den letzten beiden Quartieren mit Kampfrationen der Bundeswehr zu versorgen. Sie enthielten neben einem Hauptgericht auch harte Kekse und portionierte Konserven f\u00fcr die anderen Mahlzeiten. In den letzten Monaten wurde die Versorgung auch durch die Boteng\u00e4nge einer Frau verbessert, die hierf\u00fcr die Erlaubnis der Rebellen hatte. Sie brachte auch frische Lebensmittel und Konserven in die letzten beiden Lager, die sie auf lokalen M\u00e4rkten kaufte. Die Geiseln bezahlten das mit Bargeld, das sie aus ihren Heimatl\u00e4ndern oder \u00fcber ihre Botschaften versteckt erhalten hatten oder welches sie von Journalisten, die ins Camp kamen, zugesteckt bekamen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Rolle der Medien im Entf\u00fchrungsfall Wallert<\/h3>\n<p>Die Medien spielten in diesem Geiseldrama eine wichtige Rolle. Sie machten diesen Entf\u00fchrungsfall erst zu dem unvergleichlichen Medienereignis, das zeitweise weltweit die Schlagzeilen beherrschte. Das zu erreichen, war das erkl\u00e4rte Ziel der Rebellenkommandeure, allen voran Commander Robot. Sie wollten ihrer Abu Sayyaf Gruppe eine gr\u00f6\u00dfere politische Bedeutung verschaffen, sie wollten in der &#8222;Organisation of Islamic Conference (heute: Cooperation)&#8220; (OIC) vertreten sein. Diese Organisation von \u00fcber 50 mehrheitlich muslimischen L\u00e4ndern und Organisationen will die Interessen der Muslime weltweit vertreten. Daher wurde schon am 6. Tag der Entf\u00fchrung eine junge Frau mit einer kleinen Videokamera in das erste Geiselquartier geschleust, deren wackelige Bilder von den Nachrichtenagenturen global verbreitet wurden. Danach kamen professionelle Medienvertreter in gro\u00dfer Zahl in vier der sechs Geiselcamps. Es waren TV-Teams aus den Philippinen, Malaysia, Frankreich, Finnland und Deutschland. Dazu Schreibende, Fotografen und Radioreporter aus verschiedenen L\u00e4ndern. Allein im Mai waren es 16 TV-Teams.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_11969\" aria-describedby=\"caption-attachment-11969\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11969\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_PressGroup-comp.jpg\" alt=\"Internationale Journalisten interviewen Werner Wallert mitten im Dschungelcamp\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_PressGroup-comp.jpg 1920w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_PressGroup-comp-768x512.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_PressGroup-comp-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_PressGroup-comp-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11969\" class=\"wp-caption-text\">Internationale Journalisten interviewen Werner Wallert mitten im Dschungelcamp<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Die intensiven Medienkontakte hatten ganz unterschiedliche Auswirkungen, positive wie negative. Die Abu Sayyaf Gruppe hatte, wie beabsichtigt, ihren Bekanntheitsgrad dramatisch erh\u00f6ht. Und sie profitierten vom Journalistenauftrieb in den Geiselcamps. Sie forderten und erhielten pro Team 400 Dollar &#8211; f\u00fcr Geleitschutz, wie sie es darstellten. Als sich in einem Fall eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe deutscher Medienvertreter weigerte zu zahlen, wurden sie festgesetzt und erst nach Zahlung von 25.000 Dollar freigelassen.<\/p>\n<p>Ein Effekt in der Heimat war, dass die vielen Bilder in den Nachrichtensendungen dazu f\u00fchrten, dass die Zuschauer diese reale Geiselnahme wie eine Reality-Show empfanden &#8211; nur mit dem zus\u00e4tzlichen Kitzel, dass es doch letztlich Realit\u00e4t war &#8211; wenn auch eine ferne. Das TV-Urgestein Ulrich Wickert wurde mit der Aussage zitiert, so etwas habe er in seiner langen Journalistenlaufbahn noch nie erlebt (Brigitte L. Nacos: Mass-Mediated Terrorism, Rowman&amp;Littfield Publishers 2002, p. 78).<\/p>\n<p>Im philippinischen Dschungel waren die Journalisten einerseits willkommene Landsleute, die den Geiseln Geld zusteckten und die \u00fcber den Stand der Verhandlungen sowie von den Reaktionen in der Heimat berichten konnten. Viele Appelle wurden in ihre Kameras gesprochen. Meist ging es um eine friedliche Verhandlungsl\u00f6sung, nicht \u00fcberraschend nach den Erfahrungen mit milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen. Die Geiseln hatten das Gef\u00fchl, so selbst etwas f\u00fcr die Verbesserung ihrer Lage tun zu k\u00f6nnen (s. Resilienzstrategie Selbstwirksamkeit). Das waren seltene Momente, denn sonst \u00fcberwog das Gef\u00fchl der v\u00f6lligen Machtlosigkeit. Die Geiseln sahen sich eher als Gegenstand komplexer Verhandlungen, deren Dynamik und Hintergr\u00fcnde sie nicht durchschauten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Die Berichterstattung zur Entf\u00fchrung vor Ort war eine Herausforderung<\/h3>\n<p>Der massenhafte Auftrieb der TV-Teams mit ihren Kameras war andererseits auch eine Belastung f\u00fcr die Geiseln. Den &#8222;Zoo-Effekt&#8220; nannten sie es. Die Journalisten kamen, machten ihre Bilder und entschwanden. Die Geiseln blieben. Die Bilder und Interviews waren eine begehrte Ware auf dem internationalen Nachrichtenmarkt. Den Journalisten wurde der Vorwurf gemacht, ungewollt die Sache der Entf\u00fchrer zu beg\u00fcnstigen, die vor den Kameras ihre Absichten und Sichtweisen darstellen konnten. Und die wachsende Publizit\u00e4t trieb den Preis f\u00fcr die Freilassung der Gefangenen in die H\u00f6he. Manche Journalisten schienen damit Bauchschmerzen zu haben. Sie verwiesen gegen\u00fcber den Geiseln darauf, dass sie ja mit ihrer Arbeit verhinderten, dass die Geiseln im entlegenen Tropendschungel in Vergessenheit gerieten.<\/p>\n<p>In Wahrheit waren es Botschaften, Diplomaten, Krisenst\u00e4be und staatliche Beh\u00f6rden, die im Hintergrund an einer L\u00f6sung des Falles arbeiteten. Ihnen war die Publizit\u00e4t dieses Entf\u00fchrungsfalles zuwider. Sie arbeiten am liebsten unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit, unter den Bedingungen einer Nachrichtensperre. In diesem Fall aber mussten sie sich in ihren &#8222;Situation Rooms&#8220; die Interviews und Berichte von Journalisten anschauen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.<\/p>\n<p>Die westlichen Regierungen setzten ganz auf die staatlichen Strukturen der Philippinen, um eine friedliche L\u00f6sung des Entf\u00fchrungsfalles zu erreichen. Sie bauten dabei auch gro\u00dfen diplomatischen Druck auf, was in Manila auf wenig Verst\u00e4ndnis stie\u00df. Hier h\u00e4tte man mit den islamistischen Geiselnehmern gern kurzen Prozess gemacht. Opfer unter den Geiseln h\u00e4tte man als Kollateralsch\u00e4den in Kauf genommen, wie es in anderen Erpressungsf\u00e4llen auch geschah.<\/p>\n<p>In diesem Fall aber musste ein Sonderbeauftragter des Pr\u00e4sidenten in langwierigen Verhandlungen mit einem kriminellen Rebellenf\u00fchrer dessen politische Ziele aus dem Weg r\u00e4umen und um den Preis f\u00fcr die Freilassung der Geiseln feilschen. Das friedliche Ende der Geiselnahme von Sipadan wurde letztlich durch das finanzielle Engagement der damaligen Staatsf\u00fchrung von Libyen erreicht. Ein hochrangiger Vertreter der Kohl-Administration konnte Staatschef Gaddafi davon \u00fcberzeugen, dass Libyen durch den Freikauf der Geiseln seine internationale Reputation dramatisch verbessern k\u00f6nne. 25 Millionen Dollar sollen nach Medienberichten geflossen sein. Hinzu kam das gro\u00dfe pers\u00f6nliche Engagement des fr\u00fcheren libyschen Botschafters in Manila, der einen Teil der Akteure auf der Rebellenseite von fr\u00fcher kannte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Marc Wallerts Dschungelstrategien: Schutzfaktoren der Resilienz<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend seiner Geiselhaft im philippinischen Dschungel nutze Marc Wallert intuitiv mentale Techniken, die heute als Schutzfaktoren der Resilienz bekannt sind. Mit ihnen l\u00e4sst sich die innere Widerstandskraft st\u00e4rken. Dank dieser \u00dcberlebensstrategien \u00fcberstand Marc Wallert seine Zeit als Geisel im Dschungel unbeschadet. Daher nennt er sie heute <strong>\u201eDschungelstrategien\u201c<\/strong>. Seine wichtigsten Schutzfaktoren der Resilienz waren Akzeptanz, Optimismus, Realismus, Selbstwirksamkeit und soziale Unterst\u00fctzung. Aber auch k\u00f6rperloche und mentale Fitness sowie (Galgen-)Humor spielten immer wieder eine wichtige Rolle. Daher teilt er sie heute in seinen Votr\u00e4gen, damit sie auch andere Menschen im Alltag st\u00e4rken.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_11968\" aria-describedby=\"caption-attachment-11968\" style=\"width: 420px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11968\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_MarcWaterTerrorist-comp.jpg\" alt=\"Marc Wallert beim t\u00e4glichen Wasser holen, streng bewacht von einem bewaffneten Entf\u00fchrer\" width=\"420\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_MarcWaterTerrorist-comp.jpg 1280w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_MarcWaterTerrorist-comp-853x1280.jpg 853w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_MarcWaterTerrorist-comp-768x1152.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_MarcWaterTerrorist-comp-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_MarcWaterTerrorist-comp-8x12.jpg 8w\" sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11968\" class=\"wp-caption-text\">Marc Wallert beim t\u00e4glichen Wasser holen, streng bewacht von einem bewaffneten Entf\u00fchrer<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Beispiel f\u00fcr eine Resilienztechnik: Optimismus st\u00e4rken kann man zum Beispiel mithilfe positiver Zukunftsbilder. Was heute im Alltag hilft, half ihm auch damals in Gefangenschaft: So hat Marc Wallert sich im Dschungel immer wieder ausgemalt, wie sein Leben als freier Mann aussehen w\u00fcrde, wie er nach seiner Freilassung nach Deutschland zur\u00fcckkehrt, dort seinen Bruder Dirk wiedersieht und mit ihm auf die Freiheit ansto\u00dfen wird \u2013 mit einem k\u00fchlen Bier! Dieses Bild hat Marc Wallert als Geisel immer wieder Mut gemacht. Und es sollte schlie\u00dflich Realit\u00e4t werden, wenn auch etwas anders als urspr\u00fcnglich ertr\u00e4umt &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Marc Wallerts Freilassung aus der Geiselhaft<\/h3>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_11971\" aria-describedby=\"caption-attachment-11971\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-754201.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11971\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Freilassung-comp.jpg\" alt=\"Tagesschau vom 09.09.2000\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Freilassung-comp.jpg 1920w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Freilassung-comp-768x512.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Freilassung-comp-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Kidnapping_Tagesschau2000_Freilassung-comp-18x12.jpg 18w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11971\" class=\"wp-caption-text\">Tagesschau vom 09.09.2000 [Link auf tagesschau.de]<\/figcaption><\/figure>&nbsp;<\/p>\n<p>Viereinhalb Monate verbrachte Marc Wallert als Geisel im philippinischen Dschungel. Am 23. April 2000 wurde er in Malaysia entf\u00fchrt, am 8. Juli \u201efeierte\u201c er seinen 27. Geburtstag auf der Rebelleninsel Jolo, am 9. September kam er unter dramatischen Umst\u00e4nden frei. Marc Wallert wurde als letzte westliche Geisel freigelassen, zusammen mit zwei Finnen und einem Franzosen. Die 21 Geiseln wurden laut Medienberichten vor allem auf Grund von L\u00f6segeldzahlungen freigelassen \u2013 einer nach dem andern. Renate Wallert wurde als zweite Geisel am 17. Juli 2000 freigelassen, am 27. August folgte Werner Wallert.<\/p>\n<p>Hier der Auszug des Kapitels \u201eEnde mit Schrecken\u201c aus <strong><a href=\"https:\/\/marcwallert.com\/buch-paket\/\">Marc Wallerts Bestseller &#8222;Stark durch Krisen&#8220;<\/a><\/strong>:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Buchauszug: &#8222;Ende mit Schrecken&#8220;<\/h4>\n<blockquote><p>\u201eAm Morgen des 9. September 2000 ahnte ich noch nichts von meiner bevorstehenden Freilassung. Wir ho\u0308rten plo\u0308tzlich starkes Gefechtsfeuer im Dschungel. Wieder mussten wir fliehen, ohne zu wissen, wohin und wovor. Mittlerweile waren wir nur noch vier westliche Geiseln: Seppo, Risto, Ste\u0301phane und ich. Die anderen waren bereits freigekommen, mit Ausnahme unseres philippinischen Schicksalsgefa\u0308hrten Abi, der an einem anderen Ort festgehalten wurde.<\/p>\n<p>Nach mehreren Kilometern Fu\u00dfmarsch kletterten wir auf Befehl von Commander Robot in ein kleines Bambushaus auf Stelzen, mitten auf einem freien Feld. Da hockten wir nun und warteten \u2013 auf das A\u0308u\u00dferste angespannt, wa\u0308hrend das Gefechtsfeuer immer na\u0308her kam. Schlie\u00dflich fuhren mehrere Milita\u0308rjeeps und -transporter vor. Zwei Abgesandte der philippinischen Verhandlungsfu\u0308hrer stiegen aus und begannen aufgeregt mit Commander Robot zu diskutieren. Offensichtlich hatten sie das Lo\u0308segeld fu\u0308r uns dabei. Ihr Konvoi war auf dem Hinweg aus dem Hinterhalt von einer rivalisierenden Fraktion der Abu Sayyaf beschossen worden. Sie fu\u0308rchteten um ihren Anteil des Lo\u0308segelds und versuchten deshalb, unsere Freilassung zu torpedieren. Bei dem Angriff hatte es Tote und Verletzte unter den Bodyguards der Abgesandten gegeben. Vor unseren Augen fand ein nervenaufreibendes Gefeilsche um uns Geiseln statt \u2013 mit unmissversta\u0308ndlichen Gesten. Die Abgesandten deuteten auf uns und machten ein Handzeichen mit vier Fingern. Commander Robot hob drei Finger und zeigte auf Seppo, Risto und Ste\u0301phane. Er wollte nur drei Geiseln freilassen. Ausgerechnet ich sollte als Faustpfand zu ihrer Absicherung vor dem philippinischen Milita\u0308r zuru\u0308ckbleiben. Vielleicht auch um weiteres Lo\u0308segeld zu erpressen.<\/p>\n<p>Es war grausam, mitansehen zu mu\u0308ssen, wie in dem Chaos meine Freilassung zum wichtigsten Verhandlungsgegenstand wurde. Meine gro\u0308\u00dfte Angst war, am Ende allein zuru\u0308ckzubleiben. Niemanden mehr zu haben, der mein Schicksal teilte, mit dem ich reden, um den ich mich ku\u0308mmern konnte.<\/p>\n<p>Das Gefechtsfeuer schien na\u0308her zu kommen. Die Zeit dra\u0308ngte. Plo\u0308tzlich reichten die vor Aufregung schwitzenden Abgesandten Commander Robot die Hand. Er schlug ein. Mir blieb fast das Herz stehen. Dann erfolgte die befreiende Nachricht: Alle vier Geiseln wu\u0308rden freigelassen werden.<\/p>\n<p>Wir wurden aufgefordert, schnell auf die Ladefla\u0308che eines Transporters zu steigen. Dicht gedra\u0308ngt sa\u00dfen wir zwischen schwerbewaffneten Rebellen und Bodyguards der Abgesandten. Der auf dem Hinweg beschossene Konvoi war zum Gefallenen- und Verwundetentransport geworden. Der Transporter war an den Seiten offen und bot keinerlei Schutz. Durch die offene Ru\u0308ckseite konnte ich weitere Transporter sehen, dicht beladen mit Rebellen, die ihre Waffen im Anschlag hielten. Zusammen mit den Rebellen holperten wir eine gefu\u0308hlte Ewigkeit u\u0308ber Dschungelpisten, bis wir an einer befestigten Stra\u00dfe anhielten. Die Rebellen sprangen von unserem Fahrzeug, und Soldaten der philippinischen Armee stiegen zu. Das war ein gutes Zeichen. Ich versuchte dennoch, meine Euphorie zu bremsen. Blo\u00df nicht den Kopf verlieren.<\/p>\n<p>Wir rollten einige Kilometer die Stra\u00dfe entlang und stoppten an einem Feld. Dort erwarteten uns bereits Milita\u0308rhubschrauber. Mit ihnen hoben wir ab in Richtung Freiheit. Die Tu\u0308ren der Kampfhubschrauber waren ausgeha\u0308ngt und mit Soldaten mit Maschinengewehren bemannt.<\/p>\n<p>U\u0308berwa\u0308ltigt von einer unbeschreiblichen Gefu\u0308hlsmischung, schaute ich in die Augen meiner drei Weggefa\u0308hrten. Auch sie schwankten zwischen Weinen und Lachen. Da durchzuckte mich ein letzter Zweifel: Was, wenn uns jetzt eine Boden-Luft-Rakete vom Himmel traf? Doch nach dem gefu\u0308hlt la\u0308ngsten Flug meines Lebens setzten wir schlie\u00dflich an einem sicheren Ort auf. Ich sah die ersten befestigten Ha\u0308user seit Langem und eine Traube von Menschen, die uns erwarteten. Ich konnte mein Glu\u0308ck kaum fassen. Nach einer monatelangen Zitterpartie war es endlich wahr: Ich war wieder ein freier Mann.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p><em>[Ausschnitt aus <a href=\"https:\/\/marcwallert.com\/buch-paket\/\">Marc Wallerts Spiegel-Bestseller &#8222;Stark durch Krisen&#8220;<\/a> (Econ, 2019)]<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_10970\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 1920px;\" aria-describedby=\"caption-attachment-10970\"><a href=\"\/buch-paket\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-10970\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Book_CoverDE-comp.png\" alt=\"mw book coverde comp\" width=\"480\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Book_CoverDE-comp.png 1920w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Book_CoverDE-comp-768x512.png 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Book_CoverDE-comp-1536x1024.png 1536w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Book_CoverDE-comp-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Marc Wallerts Leben nach der Entf\u00fchrung<\/h3>\n<p>Nach seiner Freilassung flog Marc Wallert zun\u00e4chst nach Libyen, um Gaddafi f\u00fcr sein Engagement f\u00fcr eine friedliche Freilassung zu danken. Zu seiner gro\u00dfen \u00dcberraschung und Freude kam ihm sein Bruder Dirk Wallert nach Tripolis entgegen, um ihn abzuholen. Hier wurde dann auch die Vision von Marc Wallert Realit\u00e4t: Dirk und Marc Wallert stie\u00dfen mit einem Bier auf die Freiheit an! Auf dem Flughafen Hannover schlie\u00dflich folgte das Wiedersehen mit ihren Eltern Werner und Renate Wallert.<\/p>\n<p>Nach ihrer Freilassung stellte sich Familie Wallert dem medialen Interesse und gab zahlreiche Interviews und Pressekonferenzen. Nicht zuletzt auch als Zeichen der Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber den vielen Menschen, die am Bildschirm mitgefiebert hatten. Man konnte der \u201eEntf\u00fchrung der Familie Wallert\u201c im Jahr 2000 medial kaum entfliehen, selbst wenn man es wollte. Allein die Tagesschau um 20 Uhr hat ca. zwei Stunden \u00fcber den Entf\u00fchrungsfall Wallert berichtet. Umso mehr wuchs f\u00fcr Familie Wallert der Wunsch nach Privatsph\u00e4re.<\/p>\n<p>Nach einigen Wochen in der Heimatstadt G\u00f6ttingen kehrte Marc Wallert zur\u00fcck nach Luxemburg, wo er als Unternehmensberater arbeitete. Er kn\u00fcpfte recht schnell an seine alte Karriere an und arbeitete \u00fcber 15 Jahre als Berater und Manager in internationalen Unternehmen. Er war stets erfolgreich, doch meist auch gestresst. Letztlich waren es \u201eDeadlines\u201c, die ja nicht wirklich t\u00f6dlich waren, die Marc Wallert in einen Burnout getrieben aben. Aus seinem Burnout und privaten Beziehungskrisen durfte er sp\u00e4ter viel \u00fcber Krisen lernen. N\u00e4mlich wie man nicht nur stark durch Krisen <em>kommt<\/em>, sondern auch stark durch Krisen <em>wird<\/em>. Inspiriert durch diese Erfahrungen beschloss Marc Wallert, ein Buch zu schreiben. Keine Entf\u00fchrungsgeschichte, sondern einen Inspirationsgeber f\u00fcr Menschen, die Inspirationen f\u00fcr den Umgang mit Krisen suchen und mentale St\u00e4rke entwickeln m\u00f6chten. Es geht um den guten (und humorvollen) Umgang mit Krisen. Ja, Marc Wallert hat ein Faible f\u00fcr Krisen entwickelt, oder zumindest f\u00fcr die Chancen, die darin schlummern. \u201eResilienz\u201c hei\u00dft sein Herzensthema, das er heute in seinen <strong><a href=\"https:\/\/marcwallert.com\/keynote-speaker\/\">Vortr\u00e4gen als Keynote Speaker<\/a><\/strong> teilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_1622\" aria-describedby=\"caption-attachment-1622\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"\/keynote-speaker\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1622\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Speaker_Stage_Presentation-comp.jpg\" alt=\"Marc Wallert beim Impulsvortrag als Keynote Speaker\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Speaker_Stage_Presentation-comp.jpg 1920w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Speaker_Stage_Presentation-comp-768x512.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Speaker_Stage_Presentation-comp-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1622\" class=\"wp-caption-text\">Marc Wallert beim Impulsvortrag als Keynote Speaker<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Was macht Familie Wallert heute?<\/h3>\n<p>Familie Wallert wurde im Jahr 2000 durch die intensive Medienberichterstattung \u00fcber die Entf\u00fchrung vielen Menschen bekannt. Vor allem die Frage \u201eWie geht es Renate Wallert?\u201c hat nach den Bildern aus dem Jahr 2000 viele Menschen bewegt.<\/p>\n<p>Renate Wallert hat sich nach ihrer Freilassung psychisch und k\u00f6rperlich weitgehend erholt und ist heute gesundheitlich recht fit f\u00fcr ihr Alter, so wie auch ihr Mann Werner Wallert. Beide genie\u00dfen ihren Ruhestand. Mittlerweile sind sie stolze Gro\u00dfeltern von f\u00fcnf Enkeln ihrer beiden S\u00f6hne Dirk und Marc Wallert.<\/p>\n<p>Marc ist heute gl\u00fccklich verheirateter Familienvater mit drei Kindern. Er liebt es, mit seiner Familie die Welt zu bereisen. Wenn es die Zeit erlaubt, macht er Musik und taucht.<\/p>\n<p>Als\u00a0<a href=\"https:\/\/marcwallert.com\/keynote-speaker\/\"><strong>Keynote Speaker f\u00fcr Resilienz<\/strong><\/a> tr\u00e4gt er seine st\u00e4rkende Botschaft in die Welt. Wie schon fr\u00fcher als Musiker, liebt er die gro\u00dfe B\u00fchne genauso wie das professionelle Studio. Ob live vor Ort oder virtuell \u2013 es knistert zwischen Marc und den Menschen. Es sind diese G\u00e4nsehaut-Momente, die Marc antreiben, da sie Menschen \u00f6ffnen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen in sich und in der Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<figure id=\"attachment_3964\" aria-describedby=\"caption-attachment-3964\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"\/ueber-marc\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3964\" src=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Portrait_Tree-comp-by-Ralf-Guenther.jpg\" alt=\"Portrait von Marc Wallert\" width=\"640\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Portrait_Tree-comp-by-Ralf-Guenther.jpg 1280w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Portrait_Tree-comp-by-Ralf-Guenther-768x1152.jpg 768w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Portrait_Tree-comp-by-Ralf-Guenther-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/marcwallert.com\/wp-content\/uploads\/MW_Portrait_Tree-comp-by-Ralf-Guenther-8x12.jpg 8w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3964\" class=\"wp-caption-text\">Marc Wallert heute<\/figcaption><\/figure><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Entf\u00fchrungsfall Wallert Marc Wallert wurde im Jahr 2000 auf die Philippinen entf\u00fchrt, gemeinsam mit seinen Eltern Renate Wallert und Werner Wallert. 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