Schutzfaktor Akzeptanz: Plötzliche Veränderungen besser annehmen und bewältigen

Inhalt

Krisen und ungewünschte Veränderungen gehören zum Leben dazu. Der erste wichtige Schritt auf dem Weg vom Opfer zum Gestalter lautet: Akzeptanz. Wie das geht? In diesem Beitrag erhalten Sie Antworten auf folgende Fragen:

  • Was bedeutet Akzeptanz als Säule der Resilienz?
  • Mit welchen Techniken kann ich Akzeptanz konkret fördern?
  • Wie kann ich plötzliche Veränderungen besser annehmen?
  • Wie kann ich durch eine annehmende Haltung Krisen bewältigen?
  • Welche Strategien für Akzeptanz haben sich in echten Krisen bewährt?

 

Der Moment, in dem die Krise zuschlägt, gleicht meist einem Blitzschlag. Plötzlich herausgerissen aus der Komfortzone, hinein in eine Situation, die man sich sicherlich nicht gewünscht hat. Es ist absolut natürlich, dass dadurch erstmal ein Schock ausgelöst wird.  So war das auch bei meiner Entführung. Nichts ist mehr so wie es war. Was passiert? Das darf nicht sein! Wo führt das hin?

Wichtig ist nun, nicht in eine Schockstarre zu verfallen, sondern möglichst schnell zu begreifen, dass Veränderungen, so unliebsam sie auch mitunter scheinen mögen, zum Leben dazu gehören. Der Versuch, die Ereignisse ungeschehen zu machen, ist falsch. Akzeptanz ist also der erste richtige Schritt.

Es gilt, die neue Situation anzunehmen. Ich meine nicht damit, dass Sie die Situation hinnehmen sollen. Ganz im Gegenteil. Begreifen Sie die Geschehnisse als Herausforderung. Nicht als Schicksalsschlag. Ich werde in meinen Resilienz-Seminaren häufig gefragt, wie das so einfach gehen soll. Ich weiß, dass es überhaupt nicht einfach ist.  Es ist der wahrscheinlich schwierigste Schritt, wenn es darum geht, stark durch eine Krise zu werden. Aber es nützt ja nix. Hinterfragen Sie jeden Gedanken, den Sie haben, wohin er sie führt. Hadern führt zu nichts, bzw. hält Sie unnötig lange in dem Zustand gefangen, aus dem Sie ja raus wollen.

Rappeln Sie sich auf. Schauen Sie sich die neue Situation genau an. Richten Sie Ihren Blick in die Zukunft. Bleiben Sie neugierig auf das Leben!

Hier ein Auszug aus meinem Buch “Stark durch Krisen“:

 

Wie mir Akzeptanz half, meine Entführung zu überstehen

 Es war ein Moment vollkommener Entspannung und der Höhepunkt eines Traumurlaubs. Mit einem eiskalten Cocktail in der Hand blickte ich vom Liegestuhl aus auf das Meer und lauschte dem Plätschern der Wellen. Eine leichte Brise aus salziger Meeresluft verschaffte wohltuende Abkühlung. Neben mir legten meine Eltern entspannt die Füße hoch und lächelten glücklich. Wir ließen die Erlebnisse des Nachmittags Revue passieren und stießen an auf einen perfekten Ostersonntag.

Wäre es nach meinen Eltern gegangen, hätten wir uns jetzt zehn Meter weiter vorne im Wasser und bereit für den Nachttauchgang am Hausriff befunden. Doch das wäre der vierte Tauchgang des Tages gewesen und für mich fast schon in Stress ausgeartet. Deshalb hatte ich meine Eltern am Nachmittag gebeten, den Ostersonntag lieber ganz entspannt an Land ausklingen zu lassen. Meinetwegen haben sie also auf den Nachttauchgang verzichtet.

Wir blickten in den Himmel und nannten es »fernsehen«. Eben noch färbte sich der Horizont blutrot, im nächsten Augenblick schon leuchteten die Sterne so intensiv, dass man sich in den Weltraum gezogen fühlte. Ein typisch tropisches Schauspiel. Vor uns im Wasser ließen die Nachttaucher nun die Luft aus ihren Jackets und sanken ab in die andere Welt. Wir beobachteten, wie sich die Lichtkegel ihrer Lampen im tiefen Dunkel des Wassers verloren.

Es war herrlich still. Mein Vater würdigte diesen Moment mit den Worten: »Ist das nicht ein Geschenk, so einen friedlichen Ostersonntag genießen zu dürfen!«

Plötzlich ertönten panische Schreie hinter uns, und die Idylle brach in sich zusammen. Dann ging alles ganz schnell.

Als ich mich umdrehte, sah ich, wie lauter schwer bewaffnete Männer in das Restaurant stürmten. Einer von ihnen trug sogar einen Raketenwerfer auf der Schulter, einen Moment später stand er breitbeinig hinter mir. Ich blickte in das Rohr seiner Bazooka und versuchte zu verstehen.

Die Zeit schien auf einmal angehalten worden zu sein. Vor Angst klopfte mir das Herz bis zum Hals. Schmächtige und ausgemergelte, zum Teil vermummte Männer hielten halb automatische Waffen im Anschlag. Sie riefen: »Police! Police!«, machten aber nicht den Eindruck von professionellen Freunden und Helfern. Sie wirkten eher wie Fischer und Bauern aus einer Zone am Rande der zivilisierten Welt.

Wir wurden hochgescheucht und auf die Bungalows der Ferienanlage zugetrieben. »Faster! Faster!« Ihre Nervosität war deutlich spürbar. Sie schienen sich ihrer Sache nicht sicher zu sein. Doch das machte sie nur noch gefährlicher. Bewaffnete Schwäche ist gefährlicher als bewaffnete Stärke.

Die Männer trieben uns zusammen mit anderen Tauchern und einigen Hotelangestellten an den Bungalows vorbei zum Strand. Da glaubte ich noch, dass sie uns ausrauben und die Bungalows plündern wollten.

Im schwachen Mondlicht erkannte ich zwei schmale Fischerboote aus Holz. Ich spürte einen Gewehrlauf in meinem Rücken. Meine Mutter und ich wurden in ein Boot geschoben. Mein Vater wurde auf das andere Boot gedrängt.

Eine Amerikanerin weigerte sich einzusteigen. Als Nichtschwimmerin war ihre Angst vor dem Wasser größer als die vor diesen Männern. Sie ließ sich ins knietiefe Wasser plumpsen und klammerte sich fest an ihren Mann. Drei Kerle brachten es nicht fertig, sie ins Boot zu ziehen. Die Situation drohte zu eskalieren. Die Entführer fuchtelten wild mit ihren Waffen. Ihre Körpersprache zeigte Mordbereitschaft. Eine Exekution vor unseren Augen schien plötzlich möglich. Doch dann lösten sich die Männer von den Widerständigen und bugsierten ihre Boote in tieferes Wasser und warfen die Außenbordmotoren an. Der Zustand der Boote legte die Erwartung einer kurzen Fahrt nahe. Doch auch das würde sich als Irrtum herausstellen.

Wir hockten dicht gedrängt. Vierzig Menschen waren auf zwei Boote verteilt, etwa gleich viele Opfer wie Täter. Die Kombination von Angst und Enge schnürte mir die Kehle zu. In einem Moment malte ich mir aus, was als Nächstes passieren könnte, dass sie uns auf dem offenen Meer über Bord werfen, vielleicht gar auf uns schießen würden.

Da stieg Reue in mir auf: Hätten wir doch nur den Nachttauchgang mitgemacht!

Ich ruckelte mich zwischen zwei Schicksalsgefährten zurecht im Bemühen um eine erträgliche Sitzposition. Meine Mutter kauerte einen Meter entfernt von mir, mit dem Rücken an den Bootsrand gedrückt. Mit erstickter Stimme und Tränen in den Augen flüsterte sie mir zu: »Es tut mir so leid, dass du meinetwegen hier bist. Hätte ich dich nur nicht zu diesem Urlaub überredet …«

Ich dachte über Schuld und Schicksal nach. Hätte ich mich nicht zu diesem Urlaub überreden lassen sollen? Was wäre, wenn wir heute schon auf einer anderen Insel wären, wie ursprünglich von meinem Vater geplant? Plötzlich durchzuckte mich ein ganz anderer Gedanke: War das hier vielleicht der Wink des Schicksals, um den ich gebeten hatte? Dann war mir ja ein Wunsch erfüllt worden!

Bei diesem Gedanken fuhr ein euphorisches Prickeln durch meinen Körper. Vielleicht war ich aber auch einfach noch benebelt von den Cocktails. Doch mit einem Mal hielt ich es für möglich, dass ich mich gerade auf einer Reise zu mir selbst befand. Dass ich hier etwas lernen sollte, das mir Orientierung im Leben geben würde.

Die Angst blieb, aber nun war auch meine Neugier geweckt. Hellwach beschloss ich, mir die Erlebnisse einzuprägen und in ihnen einen tieferen Sinn zu sehen. Nach und nach hörte ich auf, mit meinem Schicksal zu hadern.

Stattdessen konzentrierte ich mich darauf, bestmöglich mit der Situation umzugehen.

 

Den Wandel des Lebens annehmen und als Chance nutzen

Es tut gut, den Wandel als Teil des Lebens anzunehmen und als Chance für die eigene Reifung zu begreifen. Das Leben steckt voller Übergänge von einer Entwicklungsstufe zur nächsten. Zugegeben, nicht alle Prüfungen im Leben offenbaren ihren tieferen Sinn so augenscheinlich wie unsere natürlichen Entwicklungsschwellen, wie beispielsweise die Pubertät.

Ereignisse wie schwere Krankheiten oder plötzliche Kündigungen sind schmerzhaft, und am liebsten würden wir sie aus unserem Leben fernhalten. Doch auch solche Erfahrungen gehören zum Leben. Oft bringen sie uns dazu, unser Leben aus der Not heraus zum Besseren zu wenden.

Wir können Belastungen von außen also nicht ganz aus unserem Leben fernhalten. Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen. Und vor allem können wir lernen, besser mit negativen Ereignissen umzugehen.

In diesem Sinne möchte ich Ihnen konkrete Anregungen mitgeben, wie Sie Ihre innere Stärke gezielt fördern können. Die folgenden sechs Schutzfaktoren der Resilienz haben auch mir geholfen, stark durch die Krise meiner Entführung zu kommen: Akzeptanz, Optimismus, Stresskompetenz, Selbstwirksamkeit, soziale Unterstützung und nicht zuletzt Fitness.

Mit gezielten Fragen und Anregungen möchte ich Sie einladen, diese Schutzfaktoren auf Ihren Lebensalltag zu übertragen und zu stärken. Schauen Sie einfach, welche Inspirationen für Sie besonders nützlich und praktikabel sind:

 

Akzeptanz: Wie man Herausforderungen annimmt, statt mit sich selbst zu hadern

Solange wir mit unserem Schicksal hadern, fließt unsere Energie in die Vergangenheit und fehlt uns bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen. Daher gilt es, die veränderte Situation nach einem negativen Ereignis so schnell wie möglich anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Folgende Punkte können Ihnen dabei helfen:

  • Fragen Sie sich: Gibt es ein Ereignis in Ihrem Leben, mit dem Sie hadern? Drehen sich Ihre Gedanken um Sätze wie »Warum gerade ich?«, »Hätte ich doch bloß …« oder »Wäre das nur nicht passiert«?
  • Schreiben Sie Ihre Gedanken auf, zum Beispiel in ein Tagebuch. Allein das kann schon befreiend wirken, da Sie aus dem Grübeln ins Tun kommen. Auch können Sie Ihre Gedanken auf diese Weise besser greifen und aus der Distanz betrachten.
  • Fragen Sie sich, ob es noch schlimmer hätte kommen können. So fällt es Ihnen möglicherweise leichter, Ihre Situation zu akzeptieren.
  • Trauerarbeit: Jeder Mensch trauert auf seine Weise und in seiner Geschwindigkeit. Gerade beim Verlust von Angehörigen kann professionelle Hilfe den Prozess der Trauerbewältigung unterstützen.
  • Bei vielen einschneidenden Erlebnissen hilft es, sich klarzumachen: Was geschehen ist, ist geschehen. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.
  • Um ein negatives Erlebnis anzunehmen, ist die Haltung »Wer weiß, wofür es gut ist« hilfreich. Können Sie dem Geschehen einen Sinn geben? Gibt es einen positiven Aspekt, den Sie Ihrer neuen Situation abringen können?
  • Falls Sie Ihre Situation überhaupt nicht akzeptieren können, hadern Sie nicht mit sich selbst. Akzeptieren Sie, dass Sie Ihre Situation nicht akzeptieren können, und schließen Sie zumindest Frieden mit sich selbst.